15. Juni 2018

Mit agilen Entwicklungsmethoden die Komplexität in der Produktentwicklung beherrschen

Die Entwicklung physischer Produkte verändert sich als Reaktion auf den wachsenden Innovations-, Zeit- und Kostendruck rasant. Sind die agilen Entwicklungsmethoden und Vorgehensmodelle in der Softwareentwicklung bereits weit verbreitet und tägliche Praxis, so kommen sie nun auch verstärkt in den Entwicklungsabteilungen der produzierenden Industrie zum Einsatz. Wie eine (branchen)-spezifische Adaption „agiler“ Vorgehensweisen auf die Besonderheiten der Hardwareentwicklung im eigenen Unternehmen erfolgen kann, stellt viele Unternehmen jedoch weiterhin vor große Herausforderungen: Welche Entwicklungsvorhaben eignen sich für den agilen Ansatz und welche Methoden, Elemente und Werkzeuge sind zielführend? Unsere INC Invention Center Mitglieder beschäftigten sich im Rahmen eines F&E-Projekts unter der Leitung von Stephan Schröder vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT in Aachen mit diesen Fragestellungen und lieferten spannende Erkenntnisse.

Erfolg in der agilen Entwicklung: Die richtigen Methoden, Elemente und Werkzeuge sind entscheidend

Der Einsatz agiler Methoden bietet in der Hardwareentwicklung, insbesondere in den frühen Projektphasen, große Vorteile gegenüber den traditionellen Entwicklungsansätzen. Es zeigt sich, dass allgemeingültige Lösungskonzepte für den Einsatz in der Hardwareentwicklung jedoch kaum existieren und nur bedingt sinnvoll erscheinen. Vielmehr gilt es für die erfolgreiche Umsetzung einer agilen Entwicklung die richtigen Methoden, Elemente und Werkzeuge entsprechend der eigenen Bedarfe und Rahmenbedingungen im Unternehmen auszuwählen und anzupassen. Es stellt sich darüber hinaus die Frage, für welche Art von Entwicklungsprojekten der agile Ansatz sinnvoll sein kann.

Rahmenbedingungen und Projekteigenschaften für den erfolgreichen Einsatz agiler Methoden

Die INC Invention Center Mitglieder bewerteten 16 Kriterien hinsichtlich ihrer Eignung für die Bestimmung von Projekten, für deren Ablauf und Bearbeitung ein agiler Ansatz geeignet ist. Mit Hilfe einer Priorisierung wurde die Longlist abschließend auf eine Shortlist von sieben Kriterien reduziert, um so eine größere Praxistauglichkeit der Projektbewertung zu erreichen. Die sieben wichtigsten Kriterien und die vorgenommene Priorisierung sind in Abbildung 1 dargestellt.


Abbildung 1: Bewertung der identifizierten sieben wichtigsten Kriterien nach ihrer Bedeutung für die Eignung eines Projektes für agile Entwicklungsansätze

Oft unterschätzt: Schnittstellenprobleme verursachen Implementierungsbarrieren

Oft führen die unzureichend gemanagten Schnittstellen von agilen Entwicklungsprojekten zu anderen Unternehmensabteilungen und Stakeholdern zu Implementierungsbarrieren. Die Vielzahl existierender Probleme wurde im Rahmen des INC-Projektes mit Hilfe eines Ordnungsrahmens strukturiert (vgl. Abbildung 2). In der Untersuchung zeigten sich zwei wesentliche Problemkomplexe. Zum einen die Ausgestaltung der Schnittstellen zu externen Entwicklungspartnern und weiteren Stakeholdern (z. B. Behörden) sowie zum anderen die kulturellen Diskrepanzen zwischen agilen und nicht agil arbeitenden Teams und Abteilungen (sowohl intern als auch extern).


Abbildung 2: Ordnungsrahmen der Schnittstellenprobleme in agilen Entwicklungsprojekten
Die spannenden Fragen rund um die agile Entwicklung werden die Innovationsmanager noch lange beschäftigen. Haben Sie aktuelle Fragen zum Thema agile Entwicklung, dann kommen Sie doch einfach auf uns zu und profitieren Sie von dem branchenübergreifenden Praxiswissen unserer INC Invention Center Community.

Übrigens: Das Motto der diesjährigen Technologie- und Innovationsmanagement- Tagung am 25.-26. Oktober lautet „Agile Invention – Hype or Game Changer?“

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